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PJ WASSERMANN

Schweizer Elektronik-Pionier

Ende der Siebziger. KRAFTWERK oder JEAN MICHEL JARRE hatten als erste Erfolg mit rein elektronisch erzeugter Musik. In der Schweiz begannen die ersten Pioniere dieser neuen Richtung zu experimentieren. Zu diesen gehörten SCHALTKREIS WASSERMANN.

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SCHALTKREIS WASSERMANN heute als effektvoller Multimedia-Liveact mit Musik, Licht und Visuals

Das Duo besteht aus PJ WASSERMANN und STELLA SPACE. Sie waren und sind heute auch privat ein Paar. Ihr Debüt-Longplayer «Psychotron» fand grosse Szenebeachtung, schaffte sogar eine Top-10-Platzierung im Elektro-Genre in Grossbritannien. Während heute elektronische Tanzmusik komplett am PC entsteht, schmiedete SCHALTKREIS WASSERMANN ihre Tracks noch von Hand und gefühlvoll mit Reglern, Keyboards und diversen Magnetbandspuren.

Seit einigen Jahren ist «Psychotron» wieder erhältlich und STELLA und PJ WASSERMANN stehen heute auch auf der Bühne mit vorproduzierten Backingtracks, STELLAs abgefahrenem Gesang, PJs space-rockiger Gitarre, Livesynths, Vocodern und durchkomponierten psycheddelischen Visuals – ein Fest für die Sinne, für Retrofans aber auch viele jungen Leuten, welche diese Musikentwicklung nicht selber erlebt haben nun aber auch grossen Gefallen daran finden – eine Alternative zur zeitgenössischen elektronischen Tanzmusik. Wir unterhielten uns mit PJ WASSERMANN.

Darf man dich als Elektro-Pionier bezeichnen?
Eigentlich schon. Als STELLA und ich Ende der Siebziger mit Elektronik begannen, sagten alle, wir spinnen. Das sei doch keine Musik. Wenn man sich heute «Psychotron» anhört, dann ist schon fast alles drin, was heute die angesagten elektronischen Stile ausmacht.

Wie hast du die Elektro-Explosion der letzten Jahre wahrgenommen?
Ich höre alles gerne, was originell ist und nicht einfach Anderes nachmacht. Partymässig habe ich am liebsten Goa und PsyTrance.

Fühlst du dich eigentlich manchmal ein wenig in die Jahre gekommen zwischen all den jüngeren Elektro- und Houseproduzenten?
Ja, logisch. Schön ist aber, dass gerade einige dieser Jungen voll auf unseren heutigen SCHALTKREIS-Livesound abfahren.

Wie schwer oder einfach fällt es euch heutzutage eigentlich, mit elektronischer Musik frisch und neu zu klingen?
Manchmal denke ich, es hat gar keinen Sinn mehr, Musik zu machen, denn es gibt ja alles schon. Wenn wir dann aber dennoch loslegen, kommt immer etwas Interessantes dabei raus. Gerade auch, weil wir uns überhaupt nicht um Trends kümmern.

Wie klingt der Sound von morgen?
Vieles ist seelenlos und kalt geworden. Solange die kapitalistische Gesellschaft weiterhin zehntausende von Kindern pro Tag verhungern lässt, wird sich nicht viel daran ändern...

Du hast seit deinem Karrierestart dein eigenes Label. Sollte eigentlich jeder diesen Schritt tun?
Vielen bleibt gar nichts anderes übrig, da die Musikindustrie völlig zusammenbricht. Dafür gibt es viele interessante neue Entwicklungen für den unabhängigen Musiker, von ITUNES bis zu FONTASTIX.CH.

Euch sind die Emotionen sehr wichtig. Wie schafft ihr es, Elektronik und Gefühle zusammen zu bringen?
Wir machen einfach drauflos, wahrscheinlich sind wir einfach emotional und das drückt sich durch die Musik aus. Allerdings spiele ich seit kurzem wieder am liebsten elektronische Gitarre, da ist die Emotion viel direkter.

www.pjwassermann.ch, www.schaltkreiswassermann.com

Wichtigste Alben:

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SCHALTKREIS WASSERMANN: «Psychotron» (1980). Die Technik war noch komplex, die Möglichkeiten eingeschränkt, pumpende Bässe unmöglich. Die Platte ist Kult. Wie der Titel sagt – teilweise sehr psychedelisch.

MATTERHORN PROJECT: «Matterhorn Project» (1985). Die singende Kuh in «Muh!» war ebenfalls eine Pioniertat dank neuer Samplingtechnik. «Muh!»  ist der kommerziell grösste Erfolg von STELLA und PJ: Platz 2 und auch international ein grosses Echo.

ETERNAL BLISS: «Pyramids». WASSERMANNs Antwort auf die Techno- und Trancewelle. Sein Fable für Goa und Psycheddelic ist auch hier unverkennbar.

STELLA: «L'ame de la lune» (2007). Meditative, sphärische Entspannungsmusik mit orientalischen Einflüssen, alles elektronisch. Der richige Soundtrack für Yogastunden.

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