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Vorwärts

Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

St.Gallen: Knoten Rorschacher Strasse – Frohbergstrasse

Fällung aller Bäume an der Rorschacher Strasse wirklich nötig?

Zuerst muss den Behörden dafür auf die Schulter geklopft werden, dass dieses heikle Geschäft solange vom Licht der Öffentlichkeit ferngehalten werden konnte. Denn die Fällung der Allee findet mitnichten das Verständnis der breiten Bevölkerung.

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Kleines Bild: Bürgerspital bevor hier eine Allee angelegt wurde. An dieses Bild sollten wir uns wieder gewöhnen.

Ausgangslage

Einleitung der Vorlage: «Infolge der Zufahrt zur Parkgarage des Kantonsspitals aus allen Richtungen und der Wegfahrt in alle Richtungen sowie der grösseren Verkehrsmengen ist am Knoten Rorschacher Strasse – Frohbergstrasse eine Lichtsignalanlage (LSA) erforderlich. Aus Leistungsgründen sind auf der Frohbergstrasse zufahrend zum Knoten zwei Spuren, d.h. je eine Links- und Rechtsabbiegespur, notwendig. Auf der Rorschacher
Strasse ist zudem als zwingende Voraussetzung für einen optimalen Betrieb der Lichtsignalanlage von Westen her eine Linksabbiegespur erforderlich.»

Ein grosser Teil der Erschliessung des Kantonsspitals wird via Frohbergstrasse erfolgen, namentlich die neue 500 Plätze umfassende Parkgarage und die Notfallaufnahme. Gegen den Ausbau der Frohbergstrasse ist nichts einzuwenden. Die Sachlage erfordert dies.

Weitere Ausführungen siehe im «Kurzverbloggt» von Marcel Baur.

 

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Rorschacher Strasse Ist-Zustand

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Rorschacher Strasse mit geplantem Linksabbieger.

 

Drei Punkte stören mich:

Linksabbieger Rorschacher Strasse

Für den Verkehr auf der Rorschacher Strasse vom Zentrum Richtung Frohbergstrasse ist eine Linksabbiegespur mit Lichtsignalanlage geplant. Dies erfordert eine Verbreiterung der Strasse und eine Aussetzung der Busspur Richtung Zentrum.

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Grün: Mögliche Lenkung für die Zufahrt zur neuen Parkgarage
Rot: Wegen dieser Verkehrsbeziehung ist ein Linksabbieger nötig.

Die Behinderung für den ÖV wird gravierend sein. Erstens wird ihn nach der Haltestelle Kantonsspital ein zusätzliches Lichtsignal stoppen. Auch wenn ein Bus dieses grün schalten kann, wird ihn dies bis 30 Sekunden kosten. Zweitens wird dieser zusätzliche Stopp den Fahrkomfort einschränken und die Fahrtdauer subjektiv noch weiter verlängern und somit unattraktiver werden lassen.

Velofahrende können den schönen Schwung nicht mehr bis zur Singenbergkreuzung durchziehen. Die Attraktivität der «direkten Route» Rorschacher Strasse, die eben gerade einen Vorzeigestandard erreicht hat, wird reduziert.

Linchtsignalanlage

Immer noch geht man bei der Verkehrsplanung davon aus, dass Lichtsignalanlagen (LSA) unverzichtbar sind. Der Lichtsignalwahn in St.Gallen nimmt nicht ab – es werden stetig mehr und sie sind länger in Betrieb. Hier lässt sich zwar kein Kreisel realisieren, aber durch geschickte Lenkung kann der Verkehrsfluss so gehalten werden, dass diese LSA nicht nötig sein wird.

Verkehr vom Zentrum Richtung Kantonsspital kann durch die Steinachstrasse gelenkt werden. Verkehr vom Kantonsspital Richtung Osten kann zur Autobahn geleitet werden. Mit diesen Massnahmen lässt sich die Kreuzung Rorschacher Strasse – Frohbergstrasse entlasten.
Notfallfahrten brauchen ohnehin keine LSA – sie würden ein Grün auch nicht abwarten.

Auch ohne erwähnte Lenkung sind die Ströme auf der Rorschacher Strasse ohnehin tropfend, ausgelöst durch die LSA der Kreuzungen St.Fiden und Singenberg. Löcher für ein Einbiegen lassen sich also finden.
Im Übrigen funktioniert der Abbieger Torstrasse-Brühltorgarage auch ohne LSA.

Rodung Bäume entlang Rorschacher Strasse

Warum wegen dieser punktuellen Verbreiterung der Rorschacher Strasse gleich die ganze Alle gerodet werden muss, ist zwingend zu hinterfragen. Die Bäume machen keinen kranken Eindruck. Sie sind auch keineswegs am Ende ihren Lebenszeit angekommen – ausser seitens der Stadt ist eine solche auf 50 Jahre begrenzt, denn älter als 50 Jahre dürfen Bäume im öffentlichen Raum der Stadt selten werden, siehe Marktplatz, Bahnhofpärkli, Schibenertorplatz, St.Leonhardstrasse, Heiligkreuz, die Reihe liesse sich sicher fortsetzen.

Kleine Bäumchen sind nie ein gleichwertiger Ersatz für grosse Schattenspender. Die versprochene Ersatzpflanzung lindert somit den Verlust dieser Allee nicht.

Siehe diesen Artikel zum Thema Wert von Bäumen.

Störung des Strassenbildes

Ich bin Ästhet, nicht nur in Sachen Gebäuden, sondern auch bei Strassenbildern. Hier wird eine schöne, lange Gerade durch Ausbuchtungen zerstört. Interessanterweise sieht man dies seitens der Planung auch als Problem – allerdings nur bei der städtebaulich untergeordneten Frohbergstrasse. O-Ton: «Mit Blick auf längerfristige bauliche Entwicklungen und kontinuierlich verlaufende Strassenränder, die stadträumlich erwünscht sind, soll daher die Frohbergstrasse in der vorgesehenen Breite erstellt werden.»

Wenn ohnehin alle Bäume gefällt werden, warum setzt man die Strassenränder der Rorschacher Strasse nicht auf der ganzen Länge der Gerade auf die neue Breite? Stattdessen könnte ja ein Mittelstreifen begrünt werden. Dies nur als Vorschlag für ein Strassenbild mit «kontinuierlich verlaufende Strassenrändern». (mir sind Besitzverhältnisse zwischen Kanton und Stadt bekannt – dies ändert an der Sichtweise aber nichts.)

 

Das Stadtparlamet wird diese Vorlage am 24. Oktober 2017 behandeln.

Es ist zu hoffen, dass es die Vernunft walten lässt.
Und wo die Zuständigkeit der Stadt endet, soll sie beim Kanton vorstellig werden.

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