Zwischen 1867 und 1911 wurde die Steinach abschnittsweise eingedolt. Was wäre, wenn dies nie geschehen wäre? Wenn die Stadt damals Kanalisationsrohre für das Schmutzwasser verlegt hätte, die Steinach ein sauberer Bach geworden wäre und seither immer noch offen durch die Stadt fliessen würde?
Die Steinach würde neben der Rorschacher Strasse fliessen...
Seit es im hohen Steinachtal die erste Siedlung gab, floss das Abwasser diesen Bach runter Richtung Bodensee. Mit zunehmender Einwohnerzahl und Gewerbe vergrösserte sich auch die Abwassermenge der Stadt St.Gallen. Die Steinach stank. Und so wurde sie eingedeckt. St.Gallen konnte sich dieses teure Unterfangen leisten. Obwohl St.Gallen im Kanalisationsbau Pionierarbeit verrichtete, wäre die Trennung des Schmutzwassers vom sauberen Bachwasser ein schier unmögliches Unterfangen gewesen.
Die gewonnene Fläche wurde vom Verkehr eingenommen. Das Resultat sind sind eine breite Moosbrugg- und eine noch breitere Lämmlisbrunnenstrasse.

In der Steinachdole fliesst heute das Abwasser der Stadt. Ihre Sohle liegt tiefer, als man denken würde, 3 bis teilweise 4m unter der heutigen Strassenoberfläche. Seit 1991 wird das saubere Bachwasser vom Schmutzwasser getrennt und durch einen neuen Stollen direkt zur Lukasmüli geführt.
Grünes Gallustal hat eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, um die Steinach – bzw. Teile davon – wieder an der Oberfläche in einem natürlichen Bett zwischen Bäumen und Sträuchern fliessen zu lassen. Das Wasser und die Begrünung würden kühlend auf die Stadt wirken und gleichzeitig würde der offene Bach bei Starkregen mehr Oberflächenwasserabfluss bieten und so zum Hochwasserschutz beitragen.
Tagblatt: Das Projekt «Alte Steinach» von Grünes Gallustal
Die untere Lämmlisbrunnenstrasse vorher und mit der neuen «Alten Steinach» in der Visualisierung von Grünes Gallustal
Der Stadtbach in Altstätten führt weniger Wasser als die Steinach. Entlang der Altstadt fliesst er zwischen Häusern der Vorstadt durch. Im Lauf der Jahrhunderte wurde der Bach zwischen enge Mauern gebannt. Auf diese wurde gebaut. Etwa so könnte man sich eine heute noch eine offene Steinach in St.Gallen vorstellen, nur etwas breiter und mit höheren Häusern.
Im Stadtplan von 1863 ist die Steinach noch auf ihrer vollen Länge sichtbar. Sie floss durch die Moosbruggstrasse, beim Spisertor vorbei in die Lämmlisbrunnenstrasse, unter der heutigen Unteren Büschenstrasse beim Bierhof vorbei, neben der Rorschacher Strasse in die Steinachstrasse und weiter, ausserhalb dieses Betrachtungsperimeters, via Bachstrasse zur Lukasmüli.
Auf diesem Plan sind die Bachuferstützmauern gut ersichtlich (rote Linien). Oft wurden auf dieser Häuser gestellt.
Bei der Talstation der Mühleggbahn verschwindet die Steinach heute in den Untergrund. Früher führte hier eine Brücke über sie zum Müllertor.
Obere Moosbruggstrasse: Wegen der tiefen Lage der Steinach bestanden damals beidseitig hohe Ufermauern. Erst diese schufen den Platz für eine Strasse oder Vorgärten. Die Mülenenschlucht fand hier eine Fortsetzung. Diese Mauern würden heute noch bestehen.

Die Situation aus Sicht vom Mülletor die Moosbruggstrasse hinunter vor der Eindolung der Steinach.
Die Moosbrücke, die dieser Strasse den Namen gab, wäre inzwischen mit Sicherheit neu gebaut worden. Weil die Strasse gegenüber heute höher war – Vom Karlstor war keine Treppe Auf die Strasse nötig –, war die Höhendifferenz zum Bach hinunter ziemlich gross. Folglich war die Strasse schmal. Für den Gegenverkehr wäre auf der anderen Bachseite eine Gegenfahrbahn angelegt worden, über welche auch die Liegeschaften dort erschlossen werden konnten.
Die Raumnot der kantonale Verwaltung hätte auch mit einem Bach dazwischen zu einem Neubau an dieser Stelle geführt. Auch die Flade hätte hier ausgebaut.
Die Abbrüche am Spisertor wären des Verkehrs wegen ohnehin früher oder später vollzogen worden. Zu einem Kreisel wäre es wohl nie gekommen.
Die Brühltorkreuzung würde durch den nötigen ein Linksabbieger – die Lämmlisbrunnenstrasse steht ja nicht zur Verfügung – von der Rorschacher Strasse zum Burggraben mehr Platz in Anspruch nehmen.
Die Kursana-Residenz hätte weniger Fläche, weil hier zwei Strassen mit einem Bach dazwischen auf den Kreisel zuführen.
Die kleinteiligen und heruntergekommenen Bauten, die wohl nahe an einer Art Slum waren, wären irgendwann ohnehin zugunsten einer Neubebauung entfernt worden. Dies hätte auch eine Fortsetzung der Oberen Büschenstrasse, damals Büschengasse, zur Lämmlisbrunnenstrasse ergeben. An ihrem Ende wäre ein Brücke über die Steinach in Richtung Konkordiastrasse.
Die Kantonsschule hätte sich unter diesen Umständen auch östlich ausdehnen können. Dieser Punkt ist etwas Wunschdenken meinerseits, denn die schliesslich umgesetzte Erweiterung der Kanti halte ich für einen städtebaulichen Fehler.
Der Kanti-Sportplatz würde den Park optisch erweitern.
Ein paar der kleinen Ufermauerhäuser würden heute noch stehen.
Die Steinach fliesst zwischen den Häusern neben der oberen Lämmlisbrunnenstrasse. Ich bin gegenüber KI sehr kritisch eingestellt. Meine Grafiken und Bilder sind üblicherweise frei von KI erstellt. Doch diese Nachkolorierung eines alten Fotos transferiert die damalige Situation anschaulich in die heutige Zeit.
An dieser Stelle macht die Steinach einen Bogen nördlich weg von der heutigen Lämmlisbrunnenstrasse und fliesst dort, wo heute die Untere Büschenstrasse ist. Folglich stünde für den Bierhof, entgegen der Visualisierung oben, ca. 30% weniger Platz zur Verfügung.
Wo keine Uferhäuser sind und Platz für eine Böschung vorhanden wäre, wäre das Ufer grün und möglicherweise dicht bewachsen.
Vor dem Bierhof wäre der Platz grosszügiger. Dieser Bierhofplatz wäre wohl heute ein belebter Ort zwischen Rorschacher Strassen und Bach.
Die untere Lämmlisbrunnenstrasse mit den Hochhäusern und dem kantonalen Baudepartement wäre – angepasst an die Gegebenheiten mit dem Bach – in etwa gleicher Form dem damaligen Zeitgeist entsprechend auch so entstanden.
Für die nötige Verbreiterung der Rorschacher Strasse wäre der Platz der alten Häuserzeile auf der Stadtparkseite in Anspruch genommen worden. Entsprechend wäre der Neubau ebenfalls Richtung Stadtpark verschoben worden.
1835: Blick von der Singenbergstrasse Richtung Zentrum. Das grosse Gebäude in Bildmitte ist die Kantonsschule. Das Haus Ekkehard stand noch nicht.
Das Ekkehard und die Schwalbenstrasse wurden nach 1835, aber noch vor der Eindolung gebaut.
Weil die Steinach in ihrer Fortführung ausserhalb dieses Plan unter der Steinachstrasse weiterfliesst, wäre deren Ausbau zum Autobahnzubringer wohl kein Thema gewesen. Man hätte von Anfang an die Blarer- oder die Frohbergstrasse dazu verwendet, so wie dies auch heute besser wäre. Folglich wäre der Anfang der Steinachstrasse wohl als Teil der Parkstrasse eine gewöhnliche Quartierstrasse.
Blick von der Singenbergstrasse Richtung Zentrum, wenn die Steinach hier offen fliessen würde – unter der Annahme, dass das Hotel Ekkehard und die Brücke der Schwalbenstrasse nie gebaut worden wären und ohne zeitgemässe naturnahe Umgesaltung. (mit KI-Unterstützung erstellt).